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Absturzsicherung

Absturzsicherungsgruppe

 

 

Im Laufe der Zeit haben sich die Anforderungen der Freiwilligen Feuerwehren, Berufsfeuerwehren, Werk- und Betriebsfeuerwehren erheblich verändert.

Genügten früher die Kenntnisse der normalen Brandbekämpfung, so müssen heute selbst kleine Feuerwehren die unterschiedlichsten Notlagen meistern, um in Not befindliche Mitmenschen oder Tiere zu retten, Sachwerte zu erhalten und die Umwelt vor Schaden zu bewahren.

Dies ist jedoch nur möglich, wenn für die Feuerwehrangehörigen eine umfassende und wirksame Aus- und Weiterbildung angeboten und durchgeführt wird (Werft, 2008).

 

Groß war die Begeisterung, als im Jahre 2010 die Freiwillige Feuerwehr Floß einen Lehrgang Absturzsicherung (Abstusi) anbot. Zehn Kameraden (Josef Zielbauer, Josef Pflaum, Michael Pflaum, Andreas Kellner, Andreas Troidl, Michael Troidl, Daniel Arlt, Michael Bäumler, Bernd Glatter und Christian Gallitzendörfer) unserer Feuerwehr meldeten sich zum Abstusi-Lehrgang an und stellten sich den Anforderungen von Ausbilder Siegfried Schell.

 

Der Lehrgang umfasste neben einer gründlichen theoretischen Ausbildung die praktische Anwendung und das Üben des theoretisch Erlernten.

 

Die praktischen Übungen waren:

-        Knotenkunde

-        Anlegen des Auffanggurtes

-        Sicherungstechniken (Halten, Rückhalten, Auffangen)

-        Einsatzvarianten (gesicherter Vorstieg in der Waagerechten/Senkrechten mit Setzen von Zwischensicherungen)

 

Teilnehmer
Die Teilnehmer des Absturzsicherungslehrgangs mit ihren Ausbildern und Verantwortlichen der einzelnen Feuerwehren

 

 

 

Gerätesatz Absturzsicherung:

 

Auffanggurt:


Abb. 1: Beispiele für Auffang- und Sitzgurte

(Fotos: EDELRID, SKYLOTEC, MILLER-TROLL)

Bild aus: Werft, 2008

 

Der Auffang- und Sitzgurt gemäß DIN EN 361 und DIN EN 813 ist ein wesentlicher Bestandteil des Gerätesatzes Absturzsicherung. Er sorgt im Falle eines Sturzes der gesicherten Einsatzkraft für eine kontrollierte und verteilte Einleitung der Fangstoßkraft in den menschlichen Körper.

Kernmantel-Dynamikseil:

 

Abb. 2: Kernmantel-Dynamikseil

Bild aus: Werft, 2008

 

Bei den im Rahmen der Abstusi verwendeten Sicherungsseilen handelt es dich um Kernmantel-Dynamikseile gemäß DIN EN 892.

Kernmantel-Dynamikseile werden aus Polyamid gefertigt und bestehen aus einem Seilkern und einem umschließenden Seilmantel. Der Seilkern übt die Tragefunktion aus und der Seilmantel übernimmt die Schutzfunktion für den tragenden Kern. Aus diesem Grund wird das Arbeitsvermögen eines Kernmantel-Dynamikseils größtenteils von der Anzahl und dem Durchmesser der Kernfilamente bestimmt.

 

            Anforderungen eines Kernmantel-Dynamikseils:

-        Seildurchmesser:              mind. 10,5 mm

-        Seillänge:                         60 m

-        Fangstoß:                         < 10 kN

-        Reißfestigkeit:                 ≥ 22 kN

-        Scharfkantenprüfung:      gemäß Technischer Richtlinie BWB

 

Abb. 3: Aufbau eines Kernmantel-Dynamikseils

Bild aus: Werft, 2008

 

Bandschlingen:

 

Abb. 4: Bandschlingen

Bild aus: Werft, 2008

 

 

 

Bandschlingen gemäß DIN EN 354 und DIN EN 795 dienen als universelles Anschlagmittel und der Herstellung von Festpunkten und Anschlagpunkten sowie als Zwischensicherungen und zur Herstellung einer Standplatzsicherung (Selbstsicherung).

 

HMS-Karabinerhaken:

 


Abb. 5: HMS-Karabinerhaken

Bild aus: Werft, 2008

 

Für die Verwendung der Halbmastwurfsicherung in der Sicherungskette muss ein HMS-Karabinerhaken verwendet werden.

Würde ein Karabinerhaken nur mit Schraubverschluss verwendet, könnte es durch den Seildurchlauf des HMS zum Öffnen der Schraubhülse des Karabinerhakens kommen.

Ein Lastwechsel und eine nachfolgende Belastung des Schnappers in Öffnungsrichtung

könnten dann zum Aushängen des Seiles aus dem Karabinerhaken führen.

Bei der Verwendung des HMS-Karabinerhakens mit Dreiwegeverschluss kann dies nicht geschehen, da zum Öffnen des Schnappers mindestens drei voneinander unabhängige Bewegungsabläufe nötig sind, nämlich Schieben, Drehen und Schwenken der Schnapperhülse.

 

Nahbereichssicherung:

 

Abb. 6: Nahbereichssicherung

Bild aus: Werft, 2008

 

Die Nahbereichssicherung besteht aus folgenden Bestandteilen:

 

·         Einem Verbindungsmittel gemäß DIN EN 354 mit eingearbeitetem Falldämpfer gemäß DIN EN 355 (Y-Schlinge)

·         Zwei großen Anschlagkarabiner

·         Einem Karabinerhaken mit Verschlusssicherung am Falldämpfer

 

Die Nahbereichssicherung dient der Selbstsicherung der vorsteigenden Einsatzkraft und der Standortsicherung auf gefährdeten Einsatzobjekten bzw. als vorübergehende Sicherung beim Anbringen von Zwischensicherungen beim senkrechten und waagerechten Vorstieg, um z.B. Bandschlingen beidhändig anbringen zu können.

Durch den Y-Aufbau ist ein wechselweises Einhängen der beiden Anschlagkarabiner möglich, so dass immer mindestens ein Karabinerhaken Verbindung mit dem jeweiligen Festpunkt hat.

 

Rettungsschlaufe („Windel“):

 

Abb. 7: Rettungsschlaufe Klasse B

Links: System EDELRID, Rechts: System SKYLOTEC

Bild aus: Werft, 2008

 

!Die Rettungsschlaufe Klasse B gemäß DIN EN 1498 ist NICHT für eine Sturzbelastung ausgelegt!

Aus diesem Grund ist darauf zu achten, dass der Sturz einer zu rettenden/sichernden Person in die Rettungsschlaufe sicher ausgeschlossen wird.

 

Die Rettungsschlaufe kann auch zur Rettung von Personen aus Höhen und Tiefen eingesetzt werden. Hierzu wird die „Windel“ der zu rettenden Person angelegt und ein Flaschenzugsystem bzw. ein Rollgliss-System in den Ösen eingehängt. Zusätzlich erfolgt eine Sicherung mit dem Gerätesatz Absturzsicherung.

 

Transportsack:

 

 

Abb. 8: Behältnisse für Gerätesatz Absturzsicherung (Fotos: EDELRID, SKYLOTEC)

Bild aus: Werft, 2008

 

Die Ausrüstungsbestandteile des Gerätesatzes „Abstusi“ werden in einem speziellen Transportsack aufbewahrt, transportiert und zum Einsatz gebracht. Dieser sollte aus wasserdichtem und reißfestem Material bestehen, so dass der Inhalt trocken und sicher untergebracht ist.

 

Die Abbildungen und deren Erklärung wurden entnommen aus: Werft, Fachwissen Feuerwehr, Grundlagen der Absturzsicherung. 2008. ecomed Sicherheit. Verlagsgruppe Hüthig Jehle Rehm GmbH.

 

Text: Michael Troidl